
Am 28. März 1945 erreichte die US-Armee Idstein. Damit endete die nationalsozialistische „Euthanasie“ auf dem Kalmenhof. Kurz zuvor waren belastende Unterlagen durch Täterinnen und Tätern vernichtet worden, um ihre Verbindung zu den Verbrechen zu verschleiern. Sie ermordeten außerdem Zöglinge, die Kenntnisse über die Morde im Krankenhausgebäude hatten. Insgesamt starben auf dem Kalmenhof in Kriegszeiten über 700 Personen.
Trotz der Verschleierungsbemühungen führten Hinweise auf die Taten zu ersten Vernehmungen im April 1945 und Verhaftungen vor Ort. Ein Jahr später wurde der Fall an den zuständigen Oberstaatsanwalt in Frankfurt übergeben. Im Verlauf der Ermittlungen wurden der stellvertretende Direktor und Verwaltungsleiter Wilhelm Großmann, die Ärzte Hermann Wesse und Matilde Weber, die Krankenschwester Aenne Wrona, ein Pfleger sowie ein weiterer Mitarbeiter der Heilerziehungsanstalt angeklagt und verurteilt. Eine weitere Haupttäterin, die Krankenschwester Maria Müller, sowie der Anstaltsdirektor Ernst Müller entzogen sich durch Flucht dem Prozess, der im Januar 1947 stattfand. Nach mehreren Revisionsverhandlungen konnten die meisten Täterinnen und Täter Aufhebungen der Urteile, Freisprüche und Verkürzungen ihre Strafe erreichen.
Die Verbrechen, die an die Menschen im Kalmenhof verübt wurden, gerieten indes in Vergessenheit und wurden aktiv verdrängt.



